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Knie-Totalprothese

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Ist eine Kniearthrose, die sogenannte Gonarthrose, in allen Anteilen des Gelenkes soweit fortgeschritten, dass ein erheblicher Leidensdruck besteht, welchem mit nicht-chirurgischen Mitteln nicht mehr beizukommen ist, dann muss das mechanische Problem des geschädigten Kniegelenkes auch mechanisch gelöst werden.
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Beim künstlichen Kniegelenk wird nicht – wie oft fälschlicherweise vermutet – das Knie als Ganzes entnommen und durch ein Scharnier ersetzt, sondern lediglich die geschädigte Gelenkoberfläche ersetzt.

Die geschädigten Oberflächen von Oberschenkel und Unterschenkel werden, jeweils zusammen mit einem dünnen Teil der darunter liegenden Knochensubstanz, entfernt und zur Aufnahme der künstlichen Gelenkoberfläche exakt in Form geschnitten.
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Eine passgenaue Prothese wird dann als Ersatz für die entfernten Gelenkoberflächen am Oberschenkelknochen und am Unterschenkelknochen eingepresst oder einzementiert. Die Art der Befestigung richtet sich nach dem benützten Gelenktyp und dem Zustand des Knochens.
Indikation
Die Indikation zum künstlichen Kniegelenk wird in der Regel rein aufgrund des Leidensdruckes gestellt. Ein Kniegelenk muss nicht, es kann ersetzt werden. Der Patient bestimmt, wann er zum Eingriff bereit ist. Der Zeitpunkt ist meist dann der richtige, wenn der Patient nach dem Eingriff sagt, dass er die Operation doch schon ein Jahr früher hätte durchführen sollen.

Der Patient entscheidet, wann operiert wird; der Orthopädische Chirurg entscheidet, wie operiert wird.

Die Patienten sind heute oft gut informiert und verlangen nicht selten, was für ein Gelenk wie und von welchem Hersteller eingesetzt werden soll! Nur der Facharzt hat die Kenntnisse und die Erfahrung, dies zu entscheiden. Oft ist es aber gar nicht so einfach, Laienkenntnisse aus der gelben Presse, Fernsehsendungen und dem Internet(...) zu relativieren oder gar zu berichtigen. Viele vermeintliche Innovationen sind nüchtern betrachtet in Fachkreisen oft umstritten oder bereits wieder verlassen.
Kontraindikation
Bei Infektionen, insbesondere des Knies selbst, darf ein Kunstgelenk nicht eingesetzt werden. Schwere Systemerkrankungen, insb. Herzerkrankungen, welche ein hohes allgemeines Operationsrisiko mit sich bringen, müssen in eine wohlüberlegte Relation zum Leidensdruck gesetzt werden.
Bezüglich des Alters gibt es weder nach oben, als auch nach unten keine klare Grenze. Entscheidend ist auch hier, dass die konservativen (nicht-operativen) Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind und ein Gelenkersatz wegen dem Leidensdruck unumgänglich wird.
Operationsrisiken
Die gefürchtetste Komplikation ist die Infektion des Kunstgelenkes. Diese kann in der Frühphase durch Kontamination der Operationswunde auftreten. Auch mit noch so grosser Umsicht bezüglich der Sterilitätsbedingungen, ist mit einem Infektrisiko von ca. 1% zu rechnen. Übergewicht, Rauchen, Durchblutungsstörungen, Diabetes und weitere Erkrankungen können das Risiko erheblich erhöhen. Eine Infektion bedeutet in der Regel eine oder mehrere Folgeoperationen, eventuell das Auswechseln des Kunstgelenkes und bis zu mehrmonatige Antibiotika-Gabe.

Eine Infektion des Gelenkes kann aber auch später auftreten durch Verschleppen von Bakterien im Blut von anderen Infektherden in das Kniegelenk. Besonders gefährlich sind hier Infektionen im Mund-/Zahnbereich.

Eine weitere gefürchtete Komplikation ist die Thrombose, bei welcher eine Becken- oder Beinvene durch ein Blutgerinnsel verschlossen wird. Ein solches kann dann im Blutfluss ins Herz oder in das Gehirn gelangen und dort als Embolie ein weiteres Blutgefäss verschliessen. Eine Embolie kann zu schweren Organschäden oder gar zum Tod führen.

Mit der entsprechenden Prophylaxe kann die Thrombose-Gefahr massiv gesenkt werden. Embolien sind so sehr selten, tödliche Embolien sind praktisch nicht mehr zu erwarten. Die Prophylaxe erfolgt mit Spritzen oder Tabletten zur Blutverdünnung, hilfreich ist auch die rasche Mobilisation des Patienten.

Trotz aller Sorgfalt können während der Operation Gefässe (ca. 0,1%) oder Nerven (ca. 1%) verletzt werden. Ebenfalls können beim Vorbereiten des Prothesensitzes oder durch Manipulation Risse oder gar Brüche im Knochen entstehen, welche zum Teil auch entsprechend stabilisiert werden müssen.

Nachblutungen können einen Bluterguss (Hämatom) entstehen lassen. In seltenen Fällen kann dies zu erheblichen Schmerzen und zu einer grossen Hautspannung führen. Ein Abpunktieren oder Ausspülen des Blutergusses kann dann zu rascher Linderung führen.
Wie lange hält ein künstliches Kniegelenk?
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Die Lebensdauer des Kunstgelenkes kann nicht exakt angegeben werden. Wenn man aber auf ehrliche Zahlen zurückgreift, besteht statistisch eine Wahrscheinlichkeit von ca. 80-90%, dass eine Knie-Totalprothese zehn oder mehr Jahre hält und etwa 60-80%, dass sie zwanzig oder mehr Jahre hält. Das heisst, dass in den ersten zehn Jahren jedes 5. bis 10. Kunstgelenk, in den ersten zwanzig Jahren jedes 3. künstliche Kniegelenk revidiert werden muss.
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Einen wesentlichen Einfluss auf die Lebenserwartung des Kunstgelenkes haben die eigentliche Gelenkpaarung und die strukturellen und mechanischen Eigenschaften der Gelenkoberflächen. Altbewährt ist der Einfluss von Metall als oberschenkelseitige Oberfläche und von Polyaethylen (Kunststoff) als schienbeinseitige Oberfläche des Kunstgelenkes. Dieser Kunststoff kann aber abgenutzt werden, so dass er später möglicherweise ausgewechselt werden muss. Neue Herstellungstechniken haben die Abriebfestigkeit des Polyaethylen in jüngster Zeit erheblich verbessert.

Es kann nicht klar gesagt werden, welches Kniesystem das Beste ist. Der Chirurg wird sich für ein Kunstgelenk entscheiden, mit welchem er gute Erfahrungen hat und welches er sich hoffentlich auch selber einsetzen lassen würde. Nicht selten haben sich vollmundig angekündigte, technische Innovationen im Langzeitverlauf nicht bewährt.

Die Anstrengungen der Prothesenhersteller sind gross, um den Traum der Prothese mit hoher Lebenserwartung über 40 Jahre, ja gar für das ganze Leben zu verwirklichen. Bis dann werden aber noch etliche Fachkongresse mit kontroversen Diskussionen rund um die Gelenkmaterialien und Prothesendesigns stattfinden.
Eine häufige Ursache für die Revision einer Knie-Totalprothese ist die Lockerung der Oberschenkelkomponente, der Unterschenkelkomponente oder beider Komponenten. Das dadurch entstehende Spiel zwischen Prothese und Knochen bereitet erhebliche Schmerzen. Die betroffenen Komponenten müssen dann gewechselt werden. Weiter kann wie erwähnt die Abnutzung der Polyaethylenkomponente soweit fortschreiten, dass sie gewechselt werden muss.

Regelmässige Röntgenkontrollen (ca. alle fünf Jahre) sollen nicht nur der statistischen Überprüfung der Operationstechnik und der Prothesentypen zu deren Weiterentwicklung dienen. Sie sollen auch helfen, Veränderungen früh zu erkennen und dann eine Revision durchzuführen, bevor der umgebene Knochen derart geschädigt wurde, dass die Verankerung eines neues Gelenkes sehr schwierig wird.

Ein ganz bedeutender Faktor bezüglich der Lebenserwartung des Kunstgelenkes stellt die Erfahrung des Chirurgen dar. So gibt es Untersuchungen, welche zeigen, dass, wer weniger als 25 solcher Operationen pro Jahr durchführt, eine doppelt so hohe Revisionsrate hat, wie ein Chirurg, welcher mehr als 25 Operationen dieser Art pro Jahr macht.

Von entscheidender Bedeutung bezüglich der Langlebigkeit des Kunstgelenkes ist die Genauigkeit seiner Platzierung. Beweglichkeit, Belastungsverteilung und Bandstabilität werden dadurch massgeblich beeinflusst. Fortschrittliche Operationstechniken können dem Chirurgen in der Genauigkeit der Gelenkplatzierung massgeblich unterstützen.
Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten über das Rapid Recovery Programm, die Kniearthrose und die Operationstechnik.
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Facharztpraxis für Orthopädische Chirurgie und Orthopädie
Dr. med. Roger Sprecher - Dr. med. Lukas Schatzmann
Baslerstrasse 46 - CH-4600 Olten